Spannende Spaziergänge

Gassi gehen geht auch anders

Nur Faultiere und Schnecken sind für den Müßiggang bestimmt: Wie man den täglichen Gang mit dem Hund als kleines Training gestaltet – und wieso ich mich dabei gern mal unsichtbar mache.

Jeden Tag der gleiche Trott. Der selbe olle Weg, der stinkige Straßenrand. Dann das Stück Wiese. Riecht alles immer gleich. Nix Neues. Danach der Wald. War auch schon mal interessanter. Und schon sind wir wieder Zuhause. War was? – Klingt in etwa so, wie Sie Ihren Alltag am Schreibtisch empfinden? Täglich grüßt das Murmeltier.
Ich habe mich einfach mal in meinen Hund hineinversetzt und mir vorgestellt, wie Fips wohl seine Spaziergänge mit mir wahrnimmt. Und muss mir eingestehen: Einer von uns beiden ist ganz schön faul geworden. Fips, der kleine Temperamentsbolzen, ist es ganz bestimmt nicht.

Der Unterschied zum Faultier

Hunde sind, im Gegensatz zu Faultieren und Schnecken, nicht zum Müßiggang geboren. Wer von seinem Naturell her eher sein Essen erjagt, wer dazu gezüchtet ist, Schafe zu hüten, Postkutschen zu begleiten, sich in Dachshöhlen hinein zu wühlen oder Löwen aufzuspüren, der absolviert die tägliche Runde eher mit wachsender Langeweile.
Dabei weiß ich es ja besser. Es gibt so viele Möglichkeiten, einen zwanzigminütigen Hunde-Spaziergang so spannend und lehrreich zu gestalten, dass der Fellfreund stärker ausgelastet wird als nach einem zweistündigen Ausflug. Wichtig ist, zu wissen, was dem Vierbeiner besonders liegt.

Vorlieben beachten

Die einen sind absolute Apportierer, die anderen mögen Nasenarbeit, wieder andere lieben Sprints, Agilityübungen oder Leinenarbeit. Dem Gassi-Training sind keine Grenzen gesetzt. Was die Kondition angeht. Etwas anderes ist die Konzentration. Wer seinen Hund mental fordert, sollte aufhören, bevor die Aufmerksamkeit nachlässt. Denn dann wird es für beide frustrierend.

Aber absolut beglückend ist immer mal wieder ein Training für die Gassi-Runde. Ich horche vorher kurz in mich hinein, schüttle den Stress ab (sonst überträgt er sich auf Fips), schalte das Handy aus und hole tief Luft. Dann stelle ich mir vor, ich bin der Hunde-Chef und mein feuchtnasiger Kumpel muss mir auf Schritt und Tritt folgen. Schnell gehen, langsam gehen, richtig laufen, sprinten, schleichen, Richtung wechseln. Fips an meiner Seite. Das ist erst mal meine Wunschvorstellung – aber nach einer Weile hat er es begriffen und ist höchst aufmerksam. Nachdem ich bemerkt habe, dass Hunde unsere Körpersprache viel schneller verstehen als unsere Worte, habe ich mir angewöhnt, meinem Fellquirl mehr Handzeichen zu geben zur Unterstützung des Kommandos.

Suchspiele sind eigentlich für jeden Hund spannend, alle setzen sie gern ihre Nase ein. Mein Schnüffler darf sich deshalb im Wald so manches Leckerchen erschnüffeln – manchmal auch die Hälfte seiner Futterration. Sich sein Fressen zu erarbeiten ist doch viel natürlicher!

Eine einfache Übung, damit der Hund Frauchen oder Herrchen wieder beachtet, ist: Ihn nicht zu beachten! Ich überrasche Fips, wenn er einer Fährte folgt oder irgendwohin läuft, wo er nicht hin soll, indem ich kehrt mache oder mich verstecke. Kein Rufen, kein „Hier!“, keine „Aus!“, einfach verschwinden. Ich habe selten so viel Aufmerksamkeit wie in diesen Momenten.

Noch ein wichtiger Tipp für die Kommunikation beim Hundespaziergang: Schaut sich Fips immer mal nach mir um, gehe ich darauf ein. Bestätige ihn, weiterzugehen. Oder sage ihm, er soll warten. Bekommt die Fellnase aber kein Feedback mehr, wird ihr diese Rückversicherung schnell langweilig. Also, immer Kontakt halten und ein Kommando geben, wenn der Fellfreund danach verlangt.

Weg-Variationen

Mein innerliches Aufrütteln – „Fips soll nicht vor Langeweile sterben!“ – hat in mir auch einen alten Wunsch geweckt: das Wandern mit Hund. Es muss ja nicht gleich die Alpenüberquerung sein (obwohl ich mir das natürlich als langfristiges Ziel stecke, in Wirklichkeit bin ich sehr ehrgeizig, zwinker). Aber so eine Halbtags- oder Tageswanderung täte nicht nur dem Hund, sondern auch mir gut. Jetzt bin ich dabei, mögliche Touren auszubaldowern. Vielleicht sogar was mit Übernachtung. Auf jeden Fall etwas mit Berg und Tal für uns Flachlandtiroler. Und mit dem anderen Auge schaue ich schon nach der passenden Hundeausrüstung. Hundeschuhe sollte man auf jeden Fall zur Sicherheit dabei haben, falls die Pfote verletzt wird. Und einen transportablen Trinknapf. Ach, und es gibt sogar Hunderucksäcke. Lieber nicht für meinen kleinen Fips, der trägt schon genug an seinem Schicksal, dass ich sein Frauchen bin. Am liebsten hat er mich, wenn ich mich vor ihm verstecke. Darüber denke ich jetzt einfach nicht nach.

By dogsfinest on 28. August 2015 · Posted in Spiel & Spaß, Tipps & Tricks

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