Operierter Hund

Heile, heile, Hündchen…

Veröffentlicht am 14. August 2015

Der Umgang mit dem frisch operierten Hund

Warum man in Krisensituationen auf den Tierarzt hören sollte – und warum seine Tipps bestimmt auch für Menschen extrem hilfreich sind.

Lagen Sie schon einmal auf dem OP-Tisch? Wie ging es Ihnen danach? Aber Halt – ich sollte eher fragen: Sind Sie ein Mann oder eine Frau? Ob Hund oder Mensch, spielt hier eher eine nebensächliche Rolle.

Ich bin schon einmal operiert worden. Nichts Dramatisches, aber so eine Vollnarkose ist wirklich eine Erfahrung, die man sich genauso wünscht, wie gegen einen Laternenpfahl zu laufen. Schnell habe ich mich dann wieder aufgerappelt (nach der OP, an der keine Laterne beteiligt war), habe die Anweisungen des Arztes befolgt und alles wurde gut.

Als Frau ist Gesundwerden ganz einfach – man beißt die Zähne zusammen, erntet den ein oder anderen mitfühlenden Blick, und irgendwann ist das Schlimmste überstanden. Als Mann … nunja … da ist es mit einem mitfühlenden Blick nicht immer getan. Selbst eine erfolgreiche Operation mit lehrbuchhaftem Verlauf kommt für die Herren der Schöpfung einer Nahtoderfahrung gleich. Dies ist mein Eindruck – und damit bin ich nicht allein.

Ich spreche nicht aus Häme. Ich spreche aus Erfahrung. Mein Rüde Fips, ansonsten der kerligste, männlichste Rabauke unseres Stadtteils, verwandelte sich nach einer OP in eine Prinzessin, die auf hundert Erbsen liegt.

Auf alles hatte ich mich vorbereitet

Hatte dem kleinen Terriermischling ein weiches Hundekissen zurechtgemacht, über das ich ein altes, aber frischgewaschenes Bettlaken geworfen hatte. So konnte ich verhindern, dass in alten Hundedecken befindliche Haare an seiner Wunde hängenbleiben. Eine Rotlichtlampe für Extra-Wärme und Hundenapf mit frischem Wasser warteten ebenfalls schon auf den vierbeinigen Patient – ich hatte mich extra erkundigt, ob er schon trinken darf.

Ich hatte auch in der Tierarztpraxis gefragt, auf was ich achten muss nach der Hunde-OP. Hatte extra noch einen Notizzettel mitgenommen, um mir die Anweisungen des Arztes aufzuschreiben. Tja, ich war auf vieles vorbereitet, aber nicht auf den Anblick dieses Häufchens voller Elend, das mir da mehr tot als lebendig in den Arm gelegt wurde. Und diese Plastikkrause um den Hals ließ ihn noch unglücklicher aussehen. Ein frisch operierter Hund, der noch unter den Nachwirkungen der Narkose steht und womöglich auch noch rund um die genähte Wunde rasiert ist, ist fast für jeden Hundefreund ein niederschmetternder Anblick.

Der Arzt registrierte wohl mein erschüttertes Gesicht und nahm mich beiseite.

„Sie fühlen natürlich jetzt mit Ihrem kleinen Kerl, …

das kann ich verstehen“, sagte er, „aber begehen Sie nicht den Fehler, den Hund in seiner Schwäche und seinem Jammerzustand noch zu bestärken. Geben Sie ihm Liebe, Wärme, Ruhe, achten Sie auf ihn, aber verschonen Sie ihn mit Mitleid. Das hilft heilen.“

Diese Worte weckten mich schlagartig wieder auf. Also tat ich alles, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte, bevor der postoperative Schock mich lähmte. Fips wurde vorschriftsmäßig versorgt, in den ersten Tagen habe ich die Wunde aufmerksam beobachtet (hätte sie nicht gut ausgesehen, wäre ich mit Fips noch einmal in die Praxis gefahren), und nach und nach haben wir unsere Gassirunde erweitert.

In der ersten Phase nach der Operation ist es wichtig, dass dem Hund unter der Nachwirkung des Narkosemittels nichts passiert und er z. B. nicht hoch gelagert wird (könnte herunterfallen und die Wunde verletzen).

In der späteren Phase bestimmt die Heilung der Narbe alle Aktivitäten. Deshalb haben wir es ruhig angehen lassen. Und erstaunlicherweise hat der Hund mitgespielt.

Denn, wie eingangs schon angedeutet, gefiel sich Fips in der Rolle des (eingebildeten?) Kranken. Ich habe nie so leidende Blicke aus seinen Augen gesehen, solche Mitleid-heischenden Augenaufschläge, ein solches Ankuscheln und Streichel-mich-Fordern. Fast hatte ich Angst, er fängt noch an zu sprechen.

Wahrscheinlich hat den Hund die Operation genauso mitgenommen wie mich. Aber es ist alles gut gegangen. Der kleine Fellfreund hatte seine Ruhe nach der OP (der Besuch anderer Hunde war aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt), ich hatte die Nummer einer Notfallpraxis in der Tasche, falls der Zustand sich verschlechtert (was natürlich nicht passierte), und in der Zeit habe ich ihn positiv bestärkt, statt ihn zu bemitleiden. Wahrscheinlich ist genau das Zaubermittel, um auch Männer schnell gesund zu kriegen. Und das erinnert mich daran, was der Arzt noch gesagt hat: „Tun Sie einfach so, als sei der Hund gesund. Dann bleibt ihm nichts übrig, als es auch zu werden“. Hat geklappt.

Den nächsten Patienten auf zwei Beinen werde ich genauso behandeln.


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